Marollen

Zur Südseite der Brüsseler Altstadt gibt es das Viertel ‘Marollen’, das man gerne als das “Wahre Brüssel” darstellt, wo die gute alte Zeit noch spürbar ist. Es ist eine etwas romantische Idee, denn in den letzten zwei Jahrhunderten war es ein Problemviertel, wo Armut und Illegalität normal waren.

Dort wohnten diejenigen, die die letzten Überreste aus Müll und Abfall holten. Sie bildeten eine solidäre Gemeinschaft mit einem einzigen, gemeinsamen Feind: die Obrigkeit. Auch die Kirche musste dort von ganz unten anfangen, um akzeptiert zu werden. Am Rande des im Pariser Stil verwandelten Brüssel entstand ein Flohmarkt, wo das letzte vom Letzten noch verhandelt werden konnte. Während des Krieges war dort der Schwarzmarkt und der Besatzer wusste es und ging hin – zum einkaufen!


Jetzt ist das Viertel beliebt, weil Besucher die zum Antikmarkt und in den Sammlergeschäften am Sablon kommen immer mehr die Marollen nebenan, unten am Hang, besuchen.

So ist für jede Börse was möglich: je mehr nach oben je teurer, je mehr nach unten, je billiger. Und gerne erhofft der Chineur was er sich gerade noch leisten kann. Inzwischen ‘sablonnisieren’ die Marollen, es wird sauberder, die Dienstleistungen verbessern sich, es gibt sogar Toiletten mit fließendem Wasser! Im völkischen Bereich sah das vor 50 Jahre ganz anders aus. Vom Echten wird gerne geredet, aber wenn’s zu echt wird, dann bevorzugt man doch die sonnigen Terrassen am Sablon!


Paul Sanders

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