Antwerpen und Deutschland: Eine lange Geschichte

Zwischen Antwerpen und dem deutschen Raum bestehen seit Jahrhunderten enge Beziehungen. Jahrhundertelange hatte Antwerpen im Schatten Brügges gestanden, doch um 1500 löste die Stadt an der Schelde Brügge als größten europäischen Hafen ab. Antwerpen wurde zu der führenden wirtschaftlichen, intellektuellen und kulturellen Hafenmetropole. Einen wesentlichen Anteil am Aufstieg Antwerpens lag in den engen Handelsbeziehungen zu Deutschland (vor allem zum Rheinland).


Antwerpens goldene Jahre endeten aber mit dem Aufflammen religiöser Streitigkeiten im Jahr 1585. Die Stadt wurde Opfer der Auseinandersetzungen zwischen Lutheranern und Katholiken. Der Handelsweg Antwerpen – Gent – Brügge – Ostende wurde zur Frontlinie. Antwerpen fiel in spanisch-katholischen Hände. Erst mit dem Westfälischen Frieden von 1648 endeten die kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Vertrag brachte zwar den Frieden, hatte aber fürchterliche Konsequenzen für die Wirtschaft Antwerpens, denn er sah vor, dass die Schelde – Antwerpens Verbindung zum Meer – abgeriegelt wurde. Die Stadt verlor damit ihren Status als wichtige Hafenmetropole der damaligen Welt. Intellektuell und kulturell blieb die Stadt führend, dank der Unterstützung durch die spanischen Habsburger, für die Antwerpen eine Visitenkarte für den katholischen Glauben war.


Deutsche Reeder ließen sich erst wieder ab 1750 an der Schelde nieder. Schiffe konnten ab 1795 nach Antwerpen zurückkehren, allerdings fiel eine hohe Maut an. Unter französischer Herrschaft zwischen 1795 und 1814 blieb der Hafen von geringer Bedeutung, da die Engländer die Weltmeere beherrschten.

Im 19. Jahrhundert erkannten die großen rheinischen Unternehmen aber das Potential des Antwerpener Hafens und setzen sich für die Abschaffung der Schelde-Maut ein. 1863 war es soweit: Nach Zahlung eines einmaligen Betrags würde die Schelde geräumt. Das junge Belgien konnte nur ein Drittel der geforderten Summe zahlen; der Rest wurde jedoch von Preußen, Bremen, Hamburg und Hannover bezahlt (plus ein kleiner Teil von England).


Von diesem Moment an blühte der Hafen wieder auf. Bahnverbindungen zum europäischen Hinterland wurden in kürzester Zeit realisiert.



Deutsche Antwerpener Familien agierten weltweit mit finanzielle Interessen zum Beispiel in der argentinischen Pampa und so entstanden direkte Schifffahrtslinien zwischen Südamerika und Antwerpen. Die Stadt wurde auch das wichtigste Bindeglied Europas zum kolonisierten Afrika.

Für den unaufhörlichen Zustrom belgischer, deutscher und osteuropäischer Auswanderer Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Hafenmetropole zur Abfahrtsstelle nach Ellis Island (New York) und zu einem neuen Leben.

Unsere Tour vor Ort lässt Sie diese Epoche wieder erleben und bietet gleichzeitig einen Einblick in die umfassende Renovierung der alten Scheldekais und der (napoleonischen) Docks. Entdecken Sie mit uns das deutsche Erbe in Antwerpen.


Bob Beelen

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