Das Europäische Hauptquartier der NATO in Brüssel

Wegen der anhaltenden Ukraine-Krise ist die North Atlantic Treaty Organization (NATO) in den weltweiten Schlagzeilen. Die Herausforderung ist groß: Krieg zu vermeiden oder Krieg zu führen.

Im Europäischen Hauptquartier der NATO zerbrechen sich Diplomaten und Militärs die Köpfe – und zwar in Brüssel. Wieso gerade in der belgischen Hauptstadt? Warum sitzt die NATO hier?


Gegründet wurde die NATO 1949 als militärische Allianz von zunächst zwölf Staaten. Der Westen fühlte sich von der kommunistischen Sowjetunion bedroht, die ihren Einfluss in Osteuropa ständig erweiterte.


Bereits am 17. März 1948 hatten fünf Staaten – das Vereinigte Königreich, Frankreich und die Benelux-Länder – den Vertrag von Brüssel geschlossen. Mit diesem Abkommen wollten die Vertragsunterzeichner ihre wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit vertiefen. Parallel dazu suchten die europäischen Länder eine stärkere Anbindung an die Vereinigten Staaten. In diesem Geiste unterschrieb man am 4. April 1949 den NATO-Vertrag.


Am 6. Mai 1955 trat dann nach intensiven Diskussionen auch West-Deutschland der NATO bei. Um dies zu verhindern, hatte Moskau eine Vereinigung beider deutscher Teilstaaten vorgeschlagen. Dieses neue Staatswesen sollte – ähnlich wie Österreich – jedoch neutral bleiben. Das lehnte der Westen ab. Der „Eiserne Vorhang“ wurde endgültig zugezogen.


Für drei Jahre fand die NATO ihren Sitz zunächst in London, dann ab 1952 in Paris. Durch den Umzug sollte das Hauptquartier zentraler im Vertragsgebiet liegen. Bis 1967 tagte die NATO an der Porte de Dauphin, dann entschied der französische Präsident De Gaulle, sein Land aus den militärischen Strukturen der NATO zu lösen. Ein Verbleib in Paris war nun länger nicht möglich.

Belgien bot an, sowohl das politische Hauptquartier als auch das militärische Oberkommando der NATO (bekannt unter der Abkürzung SHAPE) aufzunehmen. SHAPE fand eine neue Heimat nahe der wallonischen Stadt Mons, das Hauptquartier der NATO zog nach Brüssel. 1966 hatte man dort in nur sechs Monaten Bauzeit ein Gebäude an die Ausfallstraße zum Flughafen gesetzt. Was als Provisorium gedacht war, sollte 51 Jahre als Hauptquartier dienen. Als die NATO dort einzog, hatte sie 15 Mitglieder, doch im Laufe der Zeit sollte sie auf 29 Staaten anwachsen. Das Gebäude wuchs mit, doch 1999 musste man einsehen, dass der Bau endgültig an seine Grenzen gestoßen war.

Belgien stellte der NATO ein neues Grundstück gegenüber dem alten Hauptquartier zur Verfügung. Hier hatte einst der erste nationale Flughafen Belgiens gestanden, der später vom Militär genutzt wurde. Mit dem Umzug der belgischen Luftwaffe nach Melsbroek, in der Nähe Zaventems, war das Gelände frei und im Dezember 2010 begannen die Bauarbeiten am neuen Gebäude.

Sein Entwurf ist voller Symbolik: vier große Flügel an den zwei Seiten eines Atriums stehen für die verschränkten Finger der Bundesgenossen. Hand in Hand steht man gemeinsam. Diese einfache, aber geniale Idee hatte ein Praktikant des beauftragten Architektenbüros.


Es ist ein Mammutgebäude aus Stahl, Beton und Glas geworden. 250.000 Quadratmeter auf sieben Stockwerken verteilt, bieten Platz für 4.500 Personen. Die Baukosten sollen sich auf ungefähr 1,17 Milliarden Euro belaufen, bezahlt aus Mitteln der Mitgliedsstaaten.


Eingeweiht wurde das neue Hauptquartier am 25. Mai 2017. Anwesend waren Staatsführer aus 29 Staaten. Deutschland wurde durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel vertreten. Die Hauptrolle bei der Eröffnung spielte der amerikanische Präsident Donald Trump.


Beim nächsten Brüssel-Besuch ist ein Ausflug zum NATO-Hauptquartier die Mühe wert.


Bob Van Reeth

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