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Das Hallepoort-Museum in Brüssel: Geschichte und Zukunft

Die Hallpoort ist das letzte Stadttor in Brüssel und hier hat ein Museum sein Zuhause, dass sich mit der mittelalterlichen Geschichte der belgischen Hauptstadt beschäftigt.

In diesen Tagen läuft eine ziemlich unkoordinierte Diskussion um die Zukunft dieses Gebäudes und dieser Institution, denn offenbar gehört die Hallepoort zu den historischen Gebäuden, die der königliche Museumsverband gerne loswerden würde. Dies ist zumindest einem internen Dokument zu entnehmen, dass in die Medien geriet und so ziemlich jeden überrascht hat. Nichts desto trotz ist die Hallepoort einen Besuch wert und die Geschichte dieses Gebäudes ist sehr spannend.


Die Hallepoort ist eines der ältesten Gebäude in Brüssel und sie ist auch eines der am besten erhaltenen historischen Bauten in der belgischen Hauptstadt. Das Hallepoort-Museum zeigt unter anderem eine Wiege von Kaiser Karl, einige mittelalterliche Rüstungen, historisch bedeutsame Gegenstände aus der Zeit der Habsburger und aus der Geschichte der Brüsseler Gilden.


Sie ist ein Teil des zweiten Stadtwalls um Brüssel, denn der erste erwies sich rasch als zu klein und zu schwach, und sie ist auch das letzte erhaltene Stadttor. Insgesamt gab es sieben solcher mächtigen Tore, die mit ihren starken Mauern und dem zweiten Wall die Stadt besser verteidigten und die auch den Machtanspruch sowie die Stärke und den Reichtum Brüssels unterstrichen.


Im 16. und 17. Jahrhundert wurde der Brüsseler Stadtwall sogar noch verstärkt, doch nur ein Jahrhundert später verlor er seine militärische Bedeutung, was auch die alten Stadttore obsolet machte. Die Hallepoort aber hat schon vieles überstanden: Kriege, fragliche städtebauliche Ideen und sogar mehrmals einen Abriss.

Gebaut wurde die Hallepoort 1381. Sie überlebte die Bombardierungen durch Louis XIV., den Abrissbefehl des österreichischen Kaisers Joseph II. und sogar Pläne Brüssels in der Vergangenheit, die ebenfalls den Abriss vorsahen - wegen fehlendem Nutzungskonzept, auch wenn hier im 18. Jahrhundert ein Gefängnis war. Das war Ende des 19. Jahrhunderts.


In der niederländischen Zeit wurde hier das Staatsarchiv untergebracht, aber die belgische Revolution und die darauffolgende Staatsgründung ließen das niederländische Projekt scheitern. Doch das burgähnlich befestigte Bauwerk blieb stehen, denn damals verhinderte der Königliche Ausschuss für Denkmäler den Abbruch. Seltsam aber ist, dass die Hallepoort erst seit 1990 unter Denkmalschutz steht.

Seit rund 175 Jahren beherbergt das letzte Brüsseler Stadttor ein Museum, dass sich mit der mittelalterlichen Geschichte der Stadt beschäftigt. 1847 wurde das Haus offiziell zum „Königlichen Museum für Rüstungen, Antiquitäten und Ethnologie“. Bis heute gibt es dieses Museum, das unlängst restauriert und modernisiert wurde und in dem ab und zu sehr interessante Sonderausstellungen organisiert werden, wie derzeit eine Ausstellung mit dem Titel „Magical Theaters“ zur Geschichte der Miniatur- und Papiertheater (noch bis zum 4. Juni 2023). Sehr empfehlenswert bei einem Besuch dort ist auch der Panoramablick über Brüssel aus dem höchsten Stockwerk des Stadttors.

Unterfinanziert

Die Hallepoort gehört zu den Marollen, ein Stadtteil Brüssels der nicht unbedingt zu den begüterten Vierteln gehört, obschon er wegen seines täglichen Flohmarkts auf dem Vossenplein, wegen vieler Antikläden und seines volksnahen Charakters sehr bekannt ist. Das bedeutet leider auch, dass auch eine solche Ikone der Stadt nicht unbedingt die Anerkennung genießt, die sie verdient.


Das Museum leidet in gewissem Maße unter einer leidlichen Unterfinanzierung von Seiten der Königlichen Museen für Kunst und Geschichte (KMKG), eine staatliche Einrichtung. Und die Budgets werden eher kleiner als größer.


Steht das Museum vor dem Aus?

Jetzt macht eine Diskussion die Runde, nach der die KMKG das Hallepoort-Museum aufgeben möchte. Im November wurde durch ein internes Dokument, das in den Medien landete, bekannt, dass sich die die Königlichen Museen für Kunst und Geschichte in Brüssel (KMKG) von den seit geraumer Zeit ungenutzten und langsam verfallenden Bauten Japanischer Turm und chinesischer Pavillon in Laken trennen wollen, doch auch das Museum am Hallepoort soll abgestoßen werden. Das würde bedeuten, dass sich der belgische Staat nach einem neuen Betreiber, Konzessionär oder gar Besitzer für dieses Denkmal umsehen muss.

Vor einigen Tagen meldet sich eine Gruppe von 5 Personen, die sich „Besorgte Brüsseler“ nennen und die selbst versuchen wollen, das Hallepoort-Museum vor der Schließung zu bewahren - allerdings ohne Absprache mit den Verantwortlichen des Museums. Einer von ihnen, Armel De Schreye, sagte gegenüber der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ, dass man ambitioniert sei: „Angesichts dessen, dass die staatlichen Behörden deutlich zeigen, dass sie kein Interesse am denkmalgeschützten Hallepoort haben, ist es vielleicht an den Brüsselern selbst, dieses Monument zu sichern. Warum soll man diese historische Perle nicht in Form einer Kooperative selbst betreiben?“


"Angesichts dessen, dass die staatlichen Behörden deutlich zeigen, dass sie kein Interesse am denkmalgeschützten Hallepoort haben, ist es vielleicht an den Brüsselern selbst, dieses Monument zu sichern.“

Armel De Schreye von den „Besorgten Brüsselern“


Das Kollektiv „Besorgte Brüsseler“ richtet jetzt einen Aufruf an Brüsseler Organisationen, die sich ebenfalls mit der Geschichte ihrer Stadt beschäftigen, z.B. der Ommegang. Doch man wolle sich auch außerhalb Brüssels nach Partnern umschauen, genauer im Umland in Brabant. Dabei nannte De Schreyer auch den Gravensteen und das Schloss von Beersel und er geht sogar weiter in Richtung Ostbelgien: „Die Burg Reinhardstein wird von einem Verein betrieben. Das kann hier als Beispiel dienen.“

Ziel der Initiative ist wohl vor allem, zu verhindern, dass „Immobilien-Bonzen“ der Hallepoort in die Hände fällt und dass damit am Markt spekuliert wird: „Wenn die Spekulanten dran sind, dann besteht die Gefahr, dass aus dem Museum ein Hotelkomplex wird. Oder schlimmer noch. Es wird ein architekturales Ungetüm, das die letzten Spuren der reichen Geschichte Brüssels verwischt.“ Abschließend sagte der „Besorgte Brüsseler“ Armel De Schreye gegenüber BRUZZ: „Die Facetten des mittelalterlichen Brüssel wollen wir gerne dauerhaft gesichert sehen.“


Hallepoort-Museum: Zuidlaan 150, 1000 Brüssel

© vrtNWS Andreas Kockartz



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